Artikel zur Langlebigkeit

Selbst mäßiger Zuckerkonsum verdoppelt die Fettproduktion

Selbst mäßiger Zuckerkonsum verdoppelt die Fettproduktion
  • In einer randomisierten kontrollierten Studie hatten Menschen, die mit Fruktose oder Saccharose gesüßte Getränke – aber keine Glukose – tranken, eine doppelt so hohe Leberfettproduktion. 

  • Nach dem Verzehr von mit Fruktose gesüßten Getränken wurde die Fettproduktion 12 Stunden lang deutlich gesteigert.

  • Den Getränken waren 80 Gramm Zucker zugesetzt – typische amerikanische Erwachsene konsumieren durchschnittlich 75-100 Gramm Zucker pro Tag. 

Dieser Artikel wurde auf den News der Universität Zürich veröffentlicht:

Zucker wird vielen gängigen Lebensmitteln zugesetzt und die Menschen in der Schweiz konsumieren täglich mehr als 100 Gramm davon. Der hohe Kaloriengehalt von Zucker führt zu Übergewicht und Fettleibigkeit sowie den damit verbundenen Krankheiten. Aber hat zu viel Zucker bei regelmäßigem Verzehr noch andere schädliche Auswirkungen? Und wenn ja, welche Zuckerarten konkret?

Schon moderate Zuckermengen steigern die Fettsynthese

Diesen Fragen sind Forschende der Universität Zürich (UZH) und des UniversitätsSpitals Zürich (USZ) nachgegangen. Im Vergleich zu früheren Studien, die vor allem den Verzehr sehr hoher Zuckermengen untersuchten, zeigen ihre Ergebnisse, dass bereits moderate Mengen zu einer Veränderung des Stoffwechsels der Testteilnehmer führen. „Achtzig Gramm Zucker täglich, was etwa 0,8 Litern eines normalen Erfrischungsgetränks entspricht, kurbeln die Fettproduktion in der Leber an. Und die überaktive Fettproduktion hält über einen längeren Zeitraum an, auch wenn kein Zucker mehr konsumiert wird.“ " sagt Studienleiter Philipp Gerber von der Abteilung für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung.

An der Studie nahmen 94 gesunde junge Männer teil. Sieben Wochen lang konsumierten sie täglich ein mit verschiedenen Zuckerarten gesüßtes Getränk, während dies bei der Kontrollgruppe nicht der Fall war. Die Getränke enthielten entweder Fructose, Glucose oder Saccharose (Haushaltszucker, der eine Kombination aus Fructose und Glucose ist). Anschließend analysierten die Forscher mithilfe von Tracern (markierte Substanzen, deren Bewegung durch den Körper verfolgt werden kann) die Wirkung der zuckerhaltigen Getränke auf den Fettstoffwechsel.

Fruktose und Saccharose verdoppeln die Fettproduktion über die Nahrungsaufnahme hinaus

Insgesamt nahmen die Teilnehmer nicht mehr Kalorien zu sich als vor der Studie, da das zuckerhaltige Getränk das Sättigungsgefühl steigerte und sie daher ihre Kalorienzufuhr aus anderen Quellen reduzierten. Dennoch beobachteten die Forscher, dass Fruktose einen negativen Effekt hat: „Die körpereigene Fettproduktion in der Leber war in der Fruktose-Gruppe doppelt so hoch wie in der Glukose-Gruppe oder der Kontrollgruppe – und das war auch mehr als zwölf Stunden danach noch der Fall.“ die letzte Mahlzeit oder der Zuckerkonsum“, sagt Gerber. Besonders überraschend war, dass der Zucker, den wir am häufigsten konsumieren, Saccharose, die Fettsynthese etwas stärker steigerte als die gleiche Menge Fruktose. Bisher ging man davon aus, dass Fruktose am wahrscheinlichsten solche Veränderungen hervorruft.

Die Entwicklung einer Fettleber oder eines Diabetes ist wahrscheinlicher

Eine erhöhte Fettproduktion in der Leber ist ein wichtiger erster Schritt bei der Entstehung häufiger Krankheiten wie Fettleber und Typ-2-Diabetes. Aus gesundheitlicher Sicht empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation, den täglichen Zuckerkonsum auf etwa 50 Gramm oder noch besser 25 Gramm zu begrenzen. „Davon sind wir in der Schweiz aber weit entfernt“, sagt Philipp Gerber. „Unsere Ergebnisse sind ein entscheidender Schritt bei der Erforschung der schädlichen Auswirkungen von zugesetztem Zucker und werden für zukünftige Ernährungsempfehlungen von großer Bedeutung sein.“

Diese Studie wurde im veröffentlicht Zeitschrift für Hepatologie im März 2021.



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