Artikel zur Langlebigkeit

Die Verjüngung der Immunzellen kehrt altersbedingte Entzündungen und Bauchfett bei Mäusen um

die Verjüngung der Eosinophilen der Immunzellen kehrt altersbedingte Entzündungen und Bauchfett bei Mäusen um
  • Die Immunzellen Eosinophile kommen im Bauchfett vor und regulieren chronische Entzündungen und Alterungsprozesse.

  • Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit von Eosinophilen im Bauchfett ab, während die Zahl entzündungsfördernder Makrophagen zunimmt.

  • Die Übertragung von Eosinophilen von jungen Mäusen auf alte Mäuse löste Entzündungen auf, verjüngte das Immunsystem und verbesserte die Körperzusammensetzung und -stärke. 

Dieser Artikel wurde auf EurekAlert.org veröffentlicht:

Ältere Menschen sind anfälliger für Infektionskrankheiten, da die Funktion ihres Immunsystems mit zunehmendem Alter immer weiter nachlässt. Dies wird insbesondere bei saisonalen Grippeausbrüchen oder dem Auftreten anderer Viruserkrankungen wie COVID-19 deutlich. Da die Wirksamkeit der Impfung bei älteren Menschen stark nachlässt, ist diese Altersgruppe besonders anfällig für solche Infektionserreger und weist häufig die höchste Sterblichkeitsrate auf.

Zusätzlich zum altersbedingten Immunschwund sind ältere Menschen häufig von Gebrechlichkeit betroffen, die sich negativ auf die Lebensqualität auswirkt. Auch wenn die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen weiter steigt, ist ein längeres Leben oft mit altersbedingten Gesundheitsproblemen verbunden.

Wichtige Rolle von Bauchfett bei Alterungsprozessen identifiziert

Forscher des Department for BioMedical Research (DBMR) und des Instituts für Pathologie der Universität Bern sowie des Universitätsspitals Bern (Inselspital) haben sich zum Ziel gesetzt, neue Ansätze zur Verbesserung der Gesundheit einer schnell wachsenden alternden Bevölkerung zu identifizieren.

Seit vielen Jahren spekulieren Wissenschaftler, dass chronische, geringfügige Entzündungen Alterungsprozesse und die Entwicklung altersbedingter Erkrankungen beschleunigen. Ein internationales Forscherteam unter Berner Leitung konnte nun nachweisen, dass viszerales Fettgewebe, das sogenannte Bauchfett, entscheidend zur Entstehung chronischer, leichter Entzündungen beiträgt.

Wissenschaftler um Dr. Mario Noti, ehemals am Institut für Pathologie der Universität Bern, und Dr. Alexander Eggel vom Department for BioMedical Research (DBMR) der Universität Bern berichteten, dass bestimmte Immunzellen im Bauchfett eine wichtige Rolle spielen Rolle bei der Regulierung chronischer, geringfügiger Entzündungen und nachgelagerter Alterungsprozesse. Sie konnten zeigen, dass diese Immunzellen genutzt werden können, um solche Prozesse umzukehren. Die Ergebnisse dieser Studie wurden in der Fachzeitschrift Nature Metabolism veröffentlicht und in einem Leitartikel von News and Views weiter hervorgehoben.

Bauchfett als Quelle chronischer Entzündungen

Das Team um Dr. Noti und Dr. Eggel weist nach, dass eine bestimmte Art von Immunzellen, sogenannte Eosinophile, die vorwiegend im Blutkreislauf vorkommen, auch im Bauchfett von Menschen und Mäusen vorhanden ist.

Obwohl bekannt ist, dass sie vor Parasiteninfektionen schützen und allergische Atemwegserkrankungen begünstigen, sind Eosinophile im Bauchfett für die Aufrechterhaltung der lokalen Immunhomöostase verantwortlich. Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit von Eosinophilen im Bauchfett ab, während die Zahl entzündungsfördernder Makrophagen zunimmt. Aufgrund dieser Dysbalance der Immunzellen wird Bauchfett zu einer Quelle entzündungsfördernder Mediatoren, die sich im Alter systemisch ansammeln.

Die Therapie mit eosinophilen Zellen fördert die Verjüngung

Im nächsten Schritt untersuchten die Forscher die Möglichkeit, altersbedingte Beeinträchtigungen durch die Wiederherstellung des Immunzellgleichgewichts im viszeralen Fettgewebe umzukehren. „In verschiedenen experimentellen Ansätzen konnten wir zeigen, dass der Transfer von Eosinophilen von jungen Mäusen in ältere Empfänger nicht nur lokale, sondern auch systemische Entzündungen von geringem Ausmaß auflöste“, sagt Dr. Eggel. „In diesen Experimenten haben wir beobachtet, dass übertragene Eosinophile selektiv in Fettgewebe einwandern“, fügt Dr. Noti hinzu. Dieser Ansatz hatte eine verjüngende Wirkung auf den gealterten Organismus. Infolgedessen zeigten ältere Tiere eine deutliche Verbesserung der körperlichen Fitness, die durch Ausdauer- und Griffkrafttests beurteilt wurde. Darüber hinaus hatte die Therapie eine verjüngende Wirkung auf das Immunsystem, die sich in einer verbesserten Impfreaktion älterer Mäuse äußerte.

Erkenntnisse in Kliniken übertragen

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die biologischen Prozesse des Alterns und die damit verbundenen funktionellen Beeinträchtigungen plastischer sind als bisher angenommen“, sagt Dr. Noti. Wichtig ist, dass die beobachteten altersbedingten Veränderungen der Fettimmunzellverteilung bei Mäusen auch beim Menschen bestätigt wurden. „Eine zukünftige Ausrichtung unserer Forschung wird es nun sein, die gewonnenen Erkenntnisse für die Etablierung gezielter Therapieansätze zur Förderung und Erhaltung eines gesunden Alterns beim Menschen zu nutzen“, sagt Dr. Eggel.

Diese Studie wurde veröffentlicht in Naturstoffwechsel im Juli 2020. 



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