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Kleine Studienergebnisse zeigen, dass Lupus erfolgreich durch gezielte Plasmabehandlung behandelt werden kann

Kleine Studienergebnisse zeigen, dass Lupus erfolgreich durch gezielte Plasmabehandlung behandelt werden kann
  • Der Einsatz des Antikörpers Daratumumab, der auf Plasmazellen abzielt, modulierte erfolgreich die Immunmarker von zwei Patienten mit systemischem Lupus erythematodes (SLE). 

  • SLE ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper gegen die Zellkerne gebildet werden, die zu Entzündungen der Haut, Gelenke oder inneren Organe führen.

  • Bisherige Behandlungen beruhten auf einer langfristigen Unterdrückung des Immunsystems. Nun deuten diese neuen Forschungsergebnisse darauf hin, dass reife Gedächtnisplasmazellen ein neues Ziel sein könnten.

Dieser Artikel wurde auf Charité - Universitätsmedizin Berlin News veröffentlicht: 

Forscher der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums (DRFZ) Berlin, einem Leibniz-Institut, haben zwei Patienten mit der Autoimmunerkrankung Systemischer Lupus erythematodes erfolgreich behandelt.

Mit Daratumumab, einem monoklonalen Antikörper, der auf bestimmte Immunzellen, sogenannte Plasmazellen, abzielt, konnten die Forscher die bei diesen Patienten festgestellten abnormalen immunologischen Gedächtnisprozesse modulieren. Die Behandlung löste nachhaltige klinische Reaktionen aus und führte zu einer Verringerung der systemischen Entzündung. Die Ergebnisse dieser Forschung wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Das immunologische Gedächtnis des Körpers ermöglicht es dem Immunsystem, schneller und effektiver auf bereits aufgetretene Krankheitserreger zu reagieren. Diese Immunantwort wird sowohl durch Gedächtnis-T-Lymphozyten als auch durch Antikörper vermittelt, die von Zellen produziert werden, die als „Plasmazellen“ bekannt sind.

Reife Gedächtnisplasmazellen befinden sich in speziellen Nischen im Knochenmark und sind in der Lage, über Jahrzehnte oder sogar ein Leben lang große Mengen an Antikörpern zu produzieren. Bei Autoimmunerkrankungen hält das Immunsystem einen Körperteil fälschlicherweise für fremd und betrachtet ihn als Gefahr. In einem Prozess, der durch das immunologische Gedächtnis des Körpers unterstützt wird, reagiert das Immunsystem mit „Autoantikörpern“.

Systemischer Lupus erythematodes (SLE) ist eine prototypische Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper gegen Bestandteile der Zellkerne des Körpers gebildet werden. Diese Autoimmunreaktion ist mit einer Entzündung verbunden, die die Haut, Gelenke oder innere Organsysteme wie die Nieren, das Herz oder das Zentralnervensystem betreffen kann. Traditionell beruhten Behandlungen auf der langfristigen Unterdrückung der Immunantwort. Bisher wurden sie jedoch nicht gegen reife Gedächtnisplasmazellen gerichtet.

Erstmals haben Charité-Forscher unter der Leitung von Dr. Tobias Alexander gemeinsam mit Kollegen des DRFZ (Leitung Prof. Dr. Andreas Radbruch) die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer plasmazellspezifischen Behandlung in zwei Gruppen untersucht Lupus-Patienten, die auf herkömmliche Therapien nicht ansprachen. „Bei einem bestimmten Anteil der Patienten lässt sich die Krankheit mit den derzeit verfügbaren Behandlungen nicht kontrollieren. Daher besteht ein dringender Bedarf an neuartigen und gezielten Behandlungsansätzen“, erklärt Studienleiter Dr. Alexander, Leiter der ambulanten Dienste für Rheumatologie Er ist Mitglied der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie der Charité und forscht auch am DRFZ.

Die Forscher konzentrierten ihre Bemühungen auf den monoklonalen Anti-CD38-Antikörper Daratumumab, der seit Jahren zur erfolgreichen Behandlung von Patienten mit Plasmazellkrebs eingesetzt wird. Die Rolle von Plasmazellen bei Autoimmunerkrankungen war ein Schwerpunkt der Arbeit der Forschungsgruppe um Dr. Alexander und seinen Co-Autor Prof. Dr. Falk Hiepe. „Das Oberflächenprotein CD38 gilt als klassischer Plasmazellmarker. Unsere Voruntersuchungen haben jedoch gezeigt, dass bei Patienten mit Lupus erhöhte Werte dieses Markers auch in anderen aktiven Immunzellen wie Gedächtnis-T-Lymphozyten sowie in nachgewiesen werden können Blut und Urin“, erklärt Dr. Alexander. Damit ist CD38 ein ideales Ziel für eine Behandlung, deren Ziel es ist, die krankhaft veränderten Immunzellen zu eliminieren.

Die Empfänger dieser neuen Behandlung waren zwei Patientinnen mit lebensbedrohlichem Lupus, zu deren Symptomen eine Herz- und Nierenentzündung sowie eine antikörperinduzierte Anämie gehörten. Die wöchentliche Gabe von Daratumumab über vier Wochen führte zu einer schnellen und deutlichen Besserung der Symptome, die über mehrere Monate stabil blieb. Die Patienten zeigten auch einen deutlichen Rückgang der Autoantikörperspiegel im Serum. Mithilfe modernster immunologischer Techniken – einschließlich Einzelzellsequenzierung – konnten die Forscher außerdem zeigen, dass Daratumumab eine positive Wirkung auf aktive T-Lymphozyten hat, denen eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentstehung zugeschrieben wird. Es wurden keine relevanten Nebenwirkungen festgestellt. Obwohl die Tests einen Rückgang der schützenden Antikörper im Blut ergaben, war dies nicht mit einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen verbunden.

„Die vielversprechenden Ergebnisse bei SLE lassen sich möglicherweise auf andere Autoimmunerkrankungen übertragen, bei denen Autoantikörper eine Rolle spielen“, sagt Erstautor Lennard Ostendorf, Doktorand am DRFZ. Der nächste Schritt wird jedoch darin bestehen, die Sicherheit und Wirksamkeit von Daratumumab an einer größeren Gruppe von Lupus-Patienten zu testen. Hierzu planen die Forscher eine klinische Pilotstudie unter der Leitung von Dr. Alexander an der Charité.

Diese Studie wurde im veröffentlicht New England Journal of Medicine im September 2020. 



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